Chemie-Arbeitgeber fordern 2016 zurückhaltende Tarifabschlüsse

2016 werden die Einkommen von insgesamt rund 11 Millionen Arbeitnehmern neu verhandelt. Das entspricht etwa einem Viertel aller Erwerbstätigen in Deutschland. In diesen Tagen laufen sich IG Metall und Verdi für ihre anstehenden Tarifrunden warm. Es wird spannend, wie die Gewerkschaften sich aufstellen, nachdem sie im letzten Jahr mit real 2,4% einen Rekordzuwachs aushandeln konnten. So viel Lohnerhöhung gab es seit der Jahrtausendwende nicht mehr.

Chemie: Nachholbedarf bei der Produktivität
Die Beschäftigten in der Chemie-Industrie haben in den letzten Jahren besonders gut abgeschnitten. Seit der Krise 2008 wurden die Tariflöhne um fast 20% erhöht. Mehr Geld für die Beschäftigten bedeutet aber auch mehr Kosten für die Unternehmen. Dies ist so lange keine direkte Gefahr für die Wettbewerbsfähigkeit, wie dem Lohnplus ein ähnlich starker Anstieg der Produktivität gegenüber steht, wenn also das Produktionsergebnis je Beschäftigten ebenfalls deutlich steigt. In der Chemie ist das in den letzten Jahren nicht der Fall, ganz im Gegenteil. Die Produktivität hat gegenüber 2008 sogar abgenommen: Ein Minus von 1,6% weist die Statistik aus.

Ungesunde Entwicklung
Die Industrie hat diese ungesunde Entwicklung bisher verkraften können, weil Sonderfaktoren die Wirtschaft künstlich gepusht haben: Kaum Zinsen, schwacher Euro, niedriger Ölpreis. Aber diese Impulse sind endlich und der Chemie helfen sie nur begrenzt. So ist etwa ein fallender Ölpreis nicht unbedingt von Vorteil für die chemische Industrie, weil Teile der Branche zu deutlichen Preissenkungen gezwungen sind. Profitieren können hingegen Abnehmerbranchen und auch Arbeitnehmer, etwa in Form geringerer Spritpreise.

In dieser Gemengelage sollte Tarifpolitik zwei Dinge leisten: Erstens die Planungssicherheit für die Unternehmen erhöhen, ohne sie wirtschaftlich zu überfordern. Und zweitens durch zurückhaltende Lohnabschlüsse einen Schutz aufbauen gegen die Turbulenzen und gegen die wachsende Konkurrenz auf den globalisierten Märkten.

CHEMonitor

Meinungsbarometer für die Chemieindustrie

Meinungsbarometer für die Chemieindustrie

Trendbarometer für die Chemie- und Pharmaindustrie. Präsentiert von CHEManager und Santiago Advisors Management-Beratung für Strategie und Organisation.

Webinar

Die Ära Chemie 4.0 gekonnt meistern
ERP für die Chemie

Die Ära Chemie 4.0 gekonnt meistern

Während die Nachfrage an Chemieprodukten in Westeuropa nur langsam wächst, steigt der Bedarf in Schwellenländern überdurchschnittlich.

Meist gelesen

Photo
19.05.2025 • NewsChemie

OQ Chemicals firmiert künftig wieder als Oxea

Der bis Mai 2020 unter dem Namen Oxea bekannte Hersteller von Oxo-Zwischenprodukten und Oxo-Derivaten, der zwischenzeitlich zum Omanischen Energieunternehmen OQ gehörte und unter dem Namen OQ Chemicals firmierte, kehrt zu seinem alten Namen und seinen Wurzeln zurück.