30.06.2023 • Literatur

Lives in Chemistry—Lebenswerke in der Chemie

Autobiografische Buchreihe „Lebenswerke in der Chemie“, GNT-Verlag GmbH Lasiuszeile 2, 13585 Berlin, https://l-i-c.org/de/

Autobiografien von Chemikern haben Seltenheitswert, denn sie publizieren überwiegend Fachartikel und Bücher. Um unsere heutige Welt verstehen und Lösungen für die Zukunft ersinnen zu können, ist es jedoch wichtig zu erfassen, wie Wissenschaftler denken und handeln. Große Ziele in der chemischen Forschung zu erreichen, erfordert oft lange Zeiträume. Der Forschungsprozess – von der Hypothese über das Experiment hin zur Interpretation – besteht in der Chemie dabei häufig aus vielen, raschen Schritten, die für sich schneller gegangen sind als in den Nachbardisziplinen. Wie sich daraus ein wissenschaftliches Lebenswerk ergibt, ist Gegenstand der Darstellungen der autobiografischen Buchreihe „Lebenswerke in der Chemie“, die Einblicke in das Leben und Denken herausragender Forscher im Spiegel der Zeit gibt.

Nachdem die Reihe 2021 mit den ersten drei Bänden begonnen und 2022 um zwei Bände erweitert wurde, wird sie nun mit zwei weiteren Bänden fortgesetzt. Ein vom Vorstand der Fachgruppe Geschichte der Chemie in der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) bestimmter Beirat lenkt die Buchreihe. Alle Bände sind sowohl gedruckter Form als auch als eBook erhältlich.

Franz Effenberger
Vom Laborlehrling ohne Abitur zum Rektor, ohne Postdoc-Erfahrung zum Professor und vom Skilehrer zum Ministerpräsidenten-Berater: Franz Effenberger (*1930) hat viel aus seinen Talenten gemacht. Er kam nach der Vertreibung 1946 per Los nach Schwaben, bleibt dieser Region treu, da sie seinem Naturell entspricht. Am Karriereanfang stehen neue Synthesemethoden sowie Aromaten und Heterocyclen; später glänzt er mit Pionierbeiträgen zur Bio- und Nanotechnologie. Mechanismen aufzuspüren ist seine Leidenschaft. Die Anwendung seiner Chemie hat er immer fest im Blick, was auch seine vielen Schüler in Industrie und Hochschule prägte und ihm nach der Emeritierung neue Aufgaben beschert. Ein Geheimnis seines Erfolgs ist, den Teamgeist zu pflegen und die Kreativität des Einzelnen zu fördern - auch beim Aufbau und der Neuorganisation von Chemiestudiengängen in aller Welt.

Horst Kessler
Immer wenn er meinte, sein Forschungsgebiet verstanden zu haben, suchte er nach einer neuen Arbeitsrichtung: Horst Kessler machte sich, entgegen manchem Rat, einen Namen in der NMR-Spektroskopie sowie in der Bioorganischen und Medizinischen Chemie. Kessler (*1940), einst sehr guter Sportschwimmer, zog seine „Bahn in der Chemie“ von Suhl über Leipzig nach Tübingen, Frankfurt und schließlich 1989 zur TU München. Dort leitete er das von ihm gegründete Bayerische NMR-Zentrum, ein Leuchtturm der medizinischen Proteinforschung. Die räumliche Anordnung von Atomen und Atomgruppen und ihre Beweglichkeit aufzuspüren ist sein Metier: erst in kleinen organischen Modellverbindungen, dann in immer größeren, biologisch interessanten Molekülen und Arzneiwirkstoffen. Horst Kesslers große Schule ist international und so vielseitig wie seine Forschung – mit der Anwendung immer im Blick.

Weitere Informationen: Lives in Chemistry—Lebenswerke in der Chemie (l-i-c.org)

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