20.06.2011 • News

Schmiergeld-Verdacht bei Sanofi-Aventis

Die Staatsanwaltschaft im niedersächsischen Verden ist einem möglichen Schmiergeld-Skandal beim Pharmakonzern Sanofi-Aventis auf der Spur. Nach einem Bericht des Nachrichtenmagazins «Der Spiegel» gehen die Ermittler dem Verdacht nach, dass Mitarbeiter von Sanofi-Aventis über Jahre hinweg Medikamente, deren Verfallsdatum nahte, mit Hilfe von Bestechungsgeldern abgegeben haben. Angeblich sollte die Ware über eine Hilfsorganisation nach Nordkorea geliefert werden, tatsächlich aber landete sie nach Informationen des «Spiegel» über einen Großhändler in deutschen Apotheken. Der Sprecher der Staatsanwaltschaft Verden, Marcus Röske, sagte am Sonntag der Nachrichtenagentur dpa, dass 750 000 € an einen früheren Pharma-Manager geflossen sein sollen, der im Auftrag einer Hilfsorganisation tätig war. «Wir prüfen den Verdacht, dass es sich bei diesen Provisionszahlungen um Bestechungsgelder handelte.» Eigentlich für Nordkorea bestimmte Medikamente seien teilweise wieder auf dem deutschen Markt aufgetaucht.

Ob dahinter System steckt, sei noch unklar: «Das ist Gegenstand der Ermittlungen.» Nach «Spiegel»-Recherchen lieferte Sanofi-Aventis allein im Jahr 2010 Medikamente im Wert von 22 Mio. € an den Pharmagroßhändler Multi Trade International (MTI) aus Seevetal (Kreis Harburg). Abgewickelt wurde das Geschäft über den Verein «Viva Westfalen hilft» unter Führung des ehemaligen Pharma-Managers Wolfgang Tietze. Außer gegen Tietze werde gegen sieben weitere Beschuldigte ermittelt, zumeist Mitarbeiter von Sanofi-Aventis, sagte Röske der dpa. Es gehe dabei um den Vorwurf der Bestechung und Bestechlichkeit im geschäftlichen Verkehr. Die Staatsanwaltschaft Verden hatte am Donnerstag vergangener Woche 17 Objekte in mehreren Bundesländern durchsucht, darunter die Deutschland-Zentrale des französischen Pharmakonzerns Sanofi-Aventis, aber auch Wohnungen von Pharmamanagern.

Das sichergestellte Material sei noch nicht ausgewertet worden, die Beschuldigten hätten sich auch noch nicht zu den Vorwürfen geäußert, sagte Röske der dpa. Eine Sprecherin von Sanofi-Aventis bestätigte zwar die Durchsuchungen in der Deutschland-Zentrale in Frankfurt sowie am Sitz des Vertriebs in Berlin. Die im «Spiegel» erhobenen Vorwürfe wies sie am Sonntag jedoch als falsch zurück. Das Pharmaunternehmen liefere grundsätzlich Ware, die über ein ausreichend langes Verfallsdatum verfügt, sagte sie der dpa. Die Ware, die mit 20 % Rabatt zweckgebunden für Nordkorea an einen Pharmagroßhändler in Norddeutschland geliefert wurde, sei gleichzeitig zum Normalpreis an den deutschen Großhandel gegangen.

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