
Während der Sommermonate ist das Verbandsleben im VAA eher ruhig. Die großen Veranstaltungen des Frühsommers sind vorüber, die Events des Herbsts werden noch geplant. Die Mitglieder sind im verdienten Urlaub. Auch der politische Betrieb macht ein Sommerpäuschen. Die Bayer-Erfolge rund um Glyphosat in den USA, die Ausgründung der Agrarsparte von BASF – große Unternehmensthemen werden zuverlässig von CHEManager und in den Leitmedien bearbeitet. Als Kolumnist sucht man in solchen Perioden gerne leichte Themen, Strandlektüre quasi. Musik und Chemie ist so ein Thema: Wie viele – je nach Geschmack – großartige Songs gibt es, die chemische Versatzstücke im Titel tragen? Eine Auswahl? Bitte schön: „Isotype“ von OMD; „Tanz der Moleküle“ von Mia. Der zeitlich gesehen erste Chemie-Song, den die Kurzrecherche ergeben hat: „Radioactivity“ von Kraftwerk. Grunge gefällig? Nirvana hätte „Lithium“ im Angebot. Garagenrock von Blur über die „Chemical World“.
Wenngleich die meisten dieser Titel weniger chemische Prozesse thematisieren, ist die Vielfalt doch beachtlich und würde sich für eine musikjournalistische Kolumne hervorragend anbieten. Allerdings, so richtig stimmig in der aktuellen Lage wirkt das nicht: Historisches Niedrigwasser und Dürre in Deutschland setzen Produktionsstandorten zu; Einmaleffekte in den Bilanzen aufgrund von Kriegen verschleiern die prekäre Situation vieler Unternehmen. Weiterhin müssen viele Mitarbeitende ihre Arbeitsstellen verlassen, ohne dass die Positionen nachbesetzt werden.
Nein, das klingt nicht rosig. In dieser Phase kommt es auf Fach- und Führungskräfte ganz besonders an. Sie sind diejenigen, die mit Energie und Motivation und dem Blick für das Positive aus der Pause zurückkommen müssen. Sie sind diejenigen, die den Wandel gestalten und ihre Teams auf dem Weg mitnehmen müssen.
Wo sich deutsche Medien mit konstruktivem Journalismus als Stimmungsaufheller versuchen, können Fach- und Führungskräfte die konstruktive Stimme des realistischen Optimismus im Unternehmen sein. Das ist wichtig, wird doch die Arbeitsleistung moderat durch die Zufriedenheit der Mitarbeitenden beeinflusst. Diese Korrelation wurde bereits vor rund 25 Jahren durch Timothy A. Judge und seine Kollegen belegt.
Statt Songtitel also eine Aufforderung: Denkt positiv. Das ist an sich schon ein Wettbewerbsvorteil. Und der deutsche Standort, das zeigt die jährliche VAA-Umfrage, hat auch noch immer viel zu bieten. Er ist herausragend in der Ausbildung und der Verbindung von Forschungseinrichtungen und Industrie. Er liegt im Zentrum des europäischen Markts. Daraus lässt sich Kapital schlagen. Ein Gedanke wie ein guter Song, der im Sommerurlaub Kraft spenden kann.

Patrick Herrmann
Referent Presse und Politik, VAA
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