16.01.2026 • News

IVA fordert ambitionierte Reformen im Pflanzenschutz

Fachgruppe Obstbau und Industrieverband Agrar appellieren an die Politik, Innovationen in der Landwirtschaft schneller verfügbar zu machen.

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IVA-Präsident Michael Wagner
© IVA

Eine strangulierende EU-Regulierung bei der Genehmigung neuer Wirkstoffe und ein übertrieben bürokratisches Zulassungssystem in Deutschland hemmen den Zugang der Landwirtschaft zu innovativen Pflanzenschutzmitteln – ein Problem insbesondere für den heimischen Obstbau, den die Politik eigentlich stärken wollte. Bei einem gemeinsamen Pressegespräch zum Auftakt der Grünen Woche 2026 in Berlin appellierten die Fachgruppe Obstbau und der Industrieverband Agrar (IVA) an die Politik in Deutschland und Europa, ambitionierte Reformideen jetzt konsequent umzusetzen.

IVA-Präsident Michael Wagner zeigte sich vorsichtig optimistisch: „2026 kann ein gutes Jahr werden, weil sich in der Politik zunehmend die Erkenntnis durchsetzt, dass jetzt Zeit zum Handeln ist. Doch dazu ist es dringend erforderlich, dass 2026 ein Jahr der Reformen wird. Bei uns in Deutschland, aber auch in Europa. Es ist Zeit, Dinge, die nicht funktionieren, zu verändern.“

Positive Ansätze sieht Wagner in Äußerungen von EU-Kommissar Christophe Hansen, der in seiner Strategie für die Zukunft der europäischen Landwirtschaft davor warnte, dass der rasante Verlust von Pflanzenschutzmitteln die Fähigkeit der EU, sich selbst mit Lebensmitteln zu versorgen, gefährdet. „Zwar ist das Problembewusstsein in Brüssel angekommen“, so Wagner, „aber die Vorschläge zur Entbürokratisierung, der so genannte Omnibus, bleiben hinter den Ambitionen zurück. Durch den stark gefahrenbasierten Ansatz bei der Bewertung von Substanzen kommen keine neuen innovativen Wirkstoffe mehr nach. Dem Wirkstoffverlust können wir nur dadurch begegnen, dass Genehmigungen erst einmal so lange weiter gelten, bis wirksame Alternativen verfügbar sind.“ Das Prinzip „Kein Verbot ohne Alternative!“ sei zwar richtig, wichtiger aber sei es, neue Wirkstoffe der Landwirtschaft schneller verfügbar zu machen, sagte Wagner.

Der Vorsitzende der Fachgruppe Obstbau, Claus Schliecker, ist selbst von den Wirkstoffverlusten betroffen und stellte stellvertretend für alle Obstbaubetriebe Deutschlands die inzwischen prekäre Situation bei der Produktion von Äpfeln, Birnen und Kirschen dar. „Zentrale Schaderreger wie die Apfelblutlaus, der Feuerbrand, der Birnenblattsauger oder die Kirschfruchtfliege können wir nicht mehr oder nicht mehr ausreichend bekämpfen. Damit sind die deutschen Obstbaubetriebe, die fast ausschließlich als Familienbetriebe geführt werden, existenziell gefährdet“, so Schliecker. Darüber hinaus werde Deutschland immer abhängiger von Obst-Importen aus Ländern, in denen der Pflanzenschutz deutlich weniger reglementiert wird. Schon jetzt liegt der Selbstversorgungsgrad für Obst bei nur bei etwa 20 Prozent, betonte Schliecker.

IVA-Präsident Wagner formulierte klare Erwartungen an die Modernisierung des deutschen Zulassungssystems, das aktuell von einer vom Bundeslandwirtschaftsminister eingesetzten Projektgruppe optimiert wird. „Es wird nicht ausreichen, dass einige Verfahren jetzt beschleunigt werden; denn es gibt Webfehler im System, die vom Gesetzgeber behoben werden müssen. Wir brauchen eine grundlegende Neuausrichtung mit einer verantwortlichen Zulassungsbehörde – das kann nur das BVL sein! – und gleichberechtigten Bewertungsbehörden. Dass eine Bewertungsbehörde, das UBA, ein de facto Veto-Recht hat, ist eine Fehlkonstruktion, die korrigiert gehört.“

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