07.10.2026 • News

Innovation über das Produkt hinaus

Seit mehr als 130 Jahren prägen Innovationen die Entwicklung des Baufarbenherstellers DAW, bekannt durch seine Marken Caparol und Alpina. Heute stellen zunehmende Regulierung, Kreislaufwirtschaft und Klimawandel neue Anforderungen an Materialien und Systeme, während digitale Services und künstliche Intelligenz zusätzliche Möglichkeiten eröffnen.

Interview mit Jörg Leuninger, DAW

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© DAW SE

Andrea Gruß sprach mit Jörg Leuninger, geschäftsführender Direktor für Marketing, Innovation und Portfolio bei DAW, darüber, wie das Familienunternehmen Innovationen entwickelt und warum dabei der konkrete Kundennutzen im Mittelpunkt steht.

CHEManager: Herr Leuninger, DAW wurde vor über 130 Jahren gegründet. Auf welche Innovation geht die Wurzel des Unternehmens zurück?

Jörg Leuninger: Ende des 19. Jahrhunderts kam die Familie Murjahn, unsere Gründerfamilie, nach Ober-Ramstadt, weil sie dort Schürfrechte für Mangan erworben hatte. Bei diesen Grabungen entdeckte man Amphibolin, ein Mineral, und entwickelte ein Verfahren, um es aufzubereiten. Daraus entstanden die ersten Pulver, mit denen sich Farben herstellen ließen. Damit begann 1895 die Geschichte der DAW, der Deutschen Amphibolin-Werke. Und im Grunde auch unsere Innovationsgeschichte, die sich über fünf Generationen der Familie zieht. Alle Generationen haben sich intensiv mit Produktinnovationen beschäftigt: angefangen bei den ersten Anstrichpulvern, die der Maler selbst anrührte, über wässrige Farben und Wärmedämmverbundsysteme bis hin zu emissions- und konservierungsmittelfreien Farben.

Wie ist das Geschäft der DAW heute aufgestellt?

J. Leuninger: Wir sind Europas größter privat geführter Hersteller von Bautenanstrichmitteln und Wärmedämmverbundsystemen. Wir beschäftigen weltweit mehr als 6.000 Mitarbeiter, erwirtschaften über 1,5 Mrd. EUR Umsatz und sind in über 50 Ländern aktiv. Neben der Produktion und dem Verkauf unserer eigenen Produkte haben wir auch ein großes Handelsgeschäft mit rund 300 Handelsniederlassungen in verschiedenen Ländern. Unsere wesentlichen Märkte sind die DACH-Region, West- und Osteuropa, Skandinavien sowie der Mittlere Osten. 

„Innovation muss für uns immer am Kunden gedacht werden und ein Problem lösen, das der Kunde hat.“

Darüber hinaus haben wir Joint-Venture-Partner in Asien, beispielsweise in China. Der Schwerpunkt unserer Aktivitäten liegt aber klar in Europa. Beim Portfolio unterscheiden wir im Wesentlichen drei Segmente. Das erste umfasst alles rund um den Innenraum, also beispielsweise Wand- und Deckenfarben sowie Lacke. Das zweite Segment ist die Gebäudehülle mit Fassadenfarben, Putzen und Wärmedämmverbundsystemen. Hinzu kommen Spezialbeschichtungen, etwa für den Bautenschutz, Bodenbeschichtungen und Korrosionsschutzlacke, mit denen wir stärker in industrielle Anwendungen gehen. Auf der Kundenseite ist der professionelle Maler für uns eine ganz wesentliche Zielgruppe. Hier ist Caparol unsere wichtigste Marke. Daneben bedienen wir das Do-it-yourself-Geschäft mit Alpina.

Damit ist DAW in Bezug auf Märkte und Regionen breit aufgestellt…

J. Leuninger:  Ja, unsere Märkte sind lokal sehr unterschiedlich: Ein Maler in Frankreich arbeitet anders als beispielsweise ein Maler in Deutschland. Damit unterscheiden sich auch die Anforderungen an unsere Produkte von Land zu Land. Deshalb haben wir unsere Märkte historisch sehr dezentral und lokal entwickelt. Heute stellen wir aber fest, dass immer mehr übergreifende Themen und regulatorische Anforderungen hinzukommen, die in den einzelnen Ländern letztlich sehr ähnlich sind. Unser Schwerpunkt liegt in Europa, und damit bewegen wir uns in Märkten, die einer gemeinsamen europäischen Regulierung unterliegen. Deshalb sind wir in den vergangenen Jahren in eine Transformation gegangen und denken insbesondere im Backend – bei Produkten, Forschung und Entwicklung oder Produktionstechnologien – heute deutlich zentraler. Den Markt bedienen wir weiterhin lokal, mit Vertrieb und Vermarktung vor Ort. Aber dahinter etablieren wir zunehmend zentralere Strukturen.

Die europäische, insbesondere die deutsche Chemieindustrie, unterliegt einem starken Strukturwandel. Wie wirkt sich dies auf DAW und ihre Innovationstätigkeit aus? 

Paint Buddy heißt der Malerroboter für Beschichtungstechnologie von Caparol. Er kann schleifen, spachteln und Farbe aufbringen.
Paint Buddy heißt der Malerroboter für Beschichtungstechnologie von Caparol. Er kann schleifen, spachteln und Farbe aufbringen.
© DAW SE

J. Leuninger: Als Bauzulieferer sind wir ein Stück weit in einer anderen Situation als die klassische chemische Industrie. Wir gehören zwar zur Chemieindustrie, sind aber als Formulierer, der im Wesentlichen Rohstoffe der chemischen Industrie mischt und weiterverarbeitet, nicht in deren Kern. Unsere Produkte werden überwiegend regional oder lokal gefertigt. Großvolumige Farben, Trockenmörtel oder Dämmstoffe aus Asien nach Europa zu transportieren, rechnet sich nicht. Von daher haben wir diese strukturelle Veränderung in unserem Geschäft eher nicht. Die größere Herausforderung für uns ist die Frage, wie sich die Bauindustrie in Europa weiterentwickeln kann. Die Kostensteigerungen waren in den vergangenen Jahren immens – durch Inflation, steigende Personalkosten und weitere Faktoren. Bauen wird immer teurer, und gleichzeitig verunsichern beispielsweise aktuelle politische Diskussionen in Deutschland zu Mietendeckel und Enteignung die Investoren.

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