Europas Chemie unter Druck
Wie die International Chemical Investors Group durch den Strukturwandel navigiert
Interview mit Achim Riemann und Christoph Sprenger, ICI Holding

Seit der Gründung im Jahr 2004 hat sich die International Chemical Investors Group (ICIG) zu einem der bedeutendsten privat geführten Chemieinvestoren Europas entwickelt. Mit rund 6.000 Mitarbeitenden weltweit, einem Umsatz über 3 Mrd. EUR und einem Portfolio von über 40 übernommenen Unternehmen steht die Gruppe für langfristiges industrielles Wachstum, Transformation und Spezialisierung in der Chemiebranche. Unter Marken wie WeylChem, Catexel, Benvic, Stockhausen oder Halterman Carless bündelt ICIG ein breites Spektrum an Aktivitäten – von Feinchemikalien über Care Chemicals und Superabsorbern bis hin zu Speziallösungen auf Basis von Kohlenwasserstoffen. Andrea Gruß sprach mit Achim Riemann, Aufsichtsratsvorsitzender, und Christoph Sprenger, CEO, bei ICIG über die Strategie des Investors und die Herausforderungen am Chemiestandort Europa.
CHEManager: Aufgrund aktueller Krisen befindet sich die europäische Chemie in einem grundlegenden strukturellen Wandel. Wie wirkt sich dies auf Ihr Geschäft als Investor aus?

Achim Riemann: Im Grunde setzte der Zeitenwandel bereits im Jahr 2022 ein. Mit dem Einmarsch Russlands in der Ukraine stiegen die Gaspreise insbesondere in Europa extrem – von 5 auf über 50 EUR/MWh. Seitdem blieben die Energiekosten auf hohem Niveau und stiegen aufgrund der aktuellen Iran-Krise nochmals an. Parallel dazu leidet die Branche in vielen Bereichen unter massiven Dumpingimporten aus Asien, insbesondere aus China. Diese Rahmenbedingungen haben der Wettbewerbsfähigkeit der Chemieindustrie in Europa den Boden entzogen. Das kommt bei uns auf zweierlei Art und Weise an: Zum einen erhalten wir Angebote von etablierten Konzernen, die sich von Geschäftsfeldern trennen, weil diese in deren Umfeld nicht mehr wettbewerbsfähig sind. Zum anderen trifft der Kostendruck unsere eigenen Aktivitäten und wir müssen entsprechend gegensteuern.
Christoph Sprenger: Die Nachteile auf der Angebotsseite treffen seit zwei bis drei Jahren auf eine anhaltende Nachfrageschwäche in ganz Europa, in wichtigen Kundenbranchen wie dem Bau und der Automobilindustrie, also wichtigen Absatzmärkten für die Chemieindustrie. Dies wirkt sich auf die Qualität der Projekte aus, die uns als Investor angeboten werden. Bereits seit geraumer Zeit sind die uns vorgelegten Businesspläne sehr viel schwächer als noch vor einigen Jahren. Ein nicht geringer Anteil der Unternehmen befindet sich bereits in Insolvenz, wie zum Beispiel das kürzlich von uns übernommene Venator-Chemiewerk in Duisburg, das heute wieder unter seinem früheren Namen Sachtleben firmiert. Insgesamt hat sich die Anzahl sehr schwieriger M&A-Projekte deutlich erhöht, was die schlechte wirtschaftliche Situation der Chemiebranche in Westeuropa unterstreicht.
Der Name International Chemical Investors Group verrät bereits den inhaltlichen Fokus Ihrer Investments. Welches Geschäftsmodell verfolgen Sie?
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