27.09.2026 • News

BASF und Evonik in Fusionsgesprächen

BASF will Evonik übernehmen. Beide Chemiekonzerne bestätigen Gespräche.

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Evonik-Hauptsitz in Essen.
© Evonik

BASF will Evonik übernehmen. Der Ludwigshafener Chemiekonzern hat sein konkretes Interesse an Evonik bestätigt. Man führe erste Sondierungsgespräche mit der RAG-Stiftung, dem wichtigsten Aktionär von Evonik, für eine mögliche Übernahme des Essener Spezialchemiekonzerns. Auch Evonik bestätigte eine Kontaktaufnahme seitens des Ludwigshafener Chemiekonzerns. 

Aus Ludwigshafen heißt es: „Fortgang und Ausgang der Sondierungen sind gegenwärtig offen. BASF prüft im Rahmen ihrer Unternehmensstrategie fortlaufend die strategische Option von Akquisitionen, die ihre Kerngeschäfte stärken, einen hohen strategischen Fit aufweisen, profitables Wachstum und Wertsteigerung fördern. Dabei geht BASF diszipliniert vor.“

Das Unternehmen werde den Markt in Übereinstimmung mit den regulatorischen Vorgaben unverzüglich informieren, wenn und soweit dies erforderlich sei. Medien wie das Handelsblatt hatten in den letzten Tagen übereinstimmend über die Spekulationen berichtet.

BASF erzielte 2025 weltweit einen Umsatz von rund 60 Mrd. EUR. Evonik erwirtschaftete im selben Zeitraum rund 14 Mrd. EUR. Damit wäre eine Übernahme von Evonik durch BASF die größtmögliche Fusion in der deutschen Chemiebranche – die Nummer 1 würde die Nummer 2 kaufen. 

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Ludwigshafen ist für BASF das globale Zentrum des Verbundmodells, der Forschung und der Konzernsteuerung.
© BASF

Weitreichende Restrukturierungsprogramme

Beide Konzerne führen derzeit Restrukturierungsprogramme durch, die u.a. Standortschließungen und Stellenabbaumaßnahmen beinhalten. BASF restrukturiert vor allem seine industrielle Basis und den Standort Ludwigshafen, während Evonik sein Portfolio und Geschäftsmodell konsequent auf margenstarke Spezialchemiegeschäfte ausrichtet.

Im Fokus von BASFs „Winning Ways“-Strategie steht die Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit, insbesondere gegenüber Produzenten in China, den USA und dem Nahen Osten. Dazu zählt vor allem die Verbesserung der Profitabilität des Standorts Ludwigshafen, der unter hohen Energie- und Standortkosten leidet. Ludwigshafen ist für BASF das globale Zentrum des Verbundmodells, der Forschung und der Konzernsteuerung. Deshalb entscheidet der Erfolg der laufenden Restrukturierung in Ludwigshafen maßgeblich über die künftige Wettbewerbsfähigkeit von BASF. Seit 2024 ist der Anteil hoch wettbewerbsfähiger Produktionseinheiten am Standort von 78% auf 88% gestiegen. 

Zudem sollen die Fixkosten gesenkt und die Organisation vereinfacht werden. Bis Mitte 2026 sank die Mitarbeiterzahl um etwa 7.000 Stellen (ohne Veräußerungen). Zu den Portfoliomaßnahmen bei BASF gehören z.B. der Verkauf der Coatings-Sparte sowie eine stärkere Fokussierung auf profitable Kernaktivitäten Die Agrarchemiesparte Agricultural Solutions soll im Gegensatz zu Teilen des klassischen Chemiegeschäfts als künftiges Wachstumsgeschäft separat aufgestellt werden und ist somit eher Teil der strategischen Neupositionierung als des Sparprogramms.

Auch Evoniks „Tailor Made“-Initiative dient u.a. der dauerhaften Reduzierung der Kostenbasis. Der Essener  Spezialchemiekonzern will damit vor allem finanziellen Spielraum für Investitionen in Zukunftsfelder wie Healthcare, Biotechnologie, Wasserstoff und Kreislaufwirtschaft schaffen. Insgesamt sollen in zwei Stufen mehr als 6.000 Stellen entfallen. Im Zuge der Transformation hat Evonik bereits einige Portfoliomaßnahmen umgesetzt bzw. angekündigt. Das globale Polyestergeschäft wurde vollständig eingestellt. Der Essener Konzern hat bereits 2024 mit der Neuordnung seines Geschäfts mit Harzen für Lacke und Klebstoffe begonnen und in diesem Zusammenhang verschiedene Optionen, einschließlich Verkäufen, geprüft. Für sein unter dem Namen Oxeno  gebündeltes Geschäft mit C4-Chemikalien und Oxo-Alkoholen hat Evonik offiziell einen Verkaufsprozess gestartet.

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Der Chemiepark Marl ist Evoniks größter Produktionsstandort.
© Evonik

Verbundchemie versus Spezialchemie

Bei den Geschäftsfeldern beider Konzerne gibt es einige Überschneidungen und einige Ergänzungen. BASF und Evonik konkurrieren vor allem in ausgewählten Spezialchemie- und Coatings-Anwendungen, ergänzen sich jedoch entlang vieler Wertschöpfungsketten, da BASF stärker in der Verbund- und Grundstoffchemie verankert ist, während Evonik auf margenstarke Spezialchemie und anwendungsnahe Lösungen fokussiert. Deshalb treten die Unternehmen oft nicht als direkte Wettbewerber auf, sondern als Teil derselben Lieferkette. Ein Zusammenschluss würde ihre Position stärken. 

Die größte industrielle Logik läge in der Kombination von BASFs Stärke in Petrochemie, Basischemikalien und Verbundproduktion und Evoniks Stärke in Spezialchemie, Additiven und anwendungsnahen Lösungen.

Durch eine Übernahme von Evonik würde BASF den Anteil weniger zyklischer und margenstärkerer Geschäfte erhöhen. Die strategische Ausrichtung von Evonik auf Bereiche wie Healthcare, Additive, Membranen und Hochleistungspolymere würde das BASF-Portfolio ergänzen. Allerdings würde die kombinierte Marktstellung in zahlreichen Spezialchemiemärkten sehr stark sein, wodurch die Kartellbehörden den beiden Unternehmen im Fall einer Fusion vermutlich umfangreiche Veräußerungen auferlegen würden.


Ein durch die Zusammenlegung der BASF- und Evonik-Aktivitäten gebildeter...
Ein durch die Zusammenlegung der BASF- und Evonik-Aktivitäten gebildeter Konzern würde in vielen Segmenten zu den weltweiten Marktführern gehören.
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Kreislaufwirtschaft bedeutet die Entkopplung von Wachstum und Ressourcenverbrauch. Das Recycling technischer Kunststoffe erfordert einen Technologiemix, hier sind sowohl BASF und Evonik aktiv.
© BASF

Kerngeschäft Kunststoffe

Vor allem im Kunststoffbereich gibt es Überschneidungen beider Produktportfolios. In einigen Segmenten sind BASF und Evonik direkte Wettbewerber. Für beide Unternehmen sind Kunststoffe Kerngeschäft; insgesamt ist BASF deutlich breiter aufgestellt, während Evonik vor allem Spezialpolymere und Polymeradditive anbietet. 

Bei Polyamiden konkurrieren beide Unternehmen am stärksten und obwohl unterschiedliche Polyamidtypen angeboten werden, treten beide Hersteller häufig bei denselben Kunden und Anwendungen an. Bei Polyamiden und anderen Hochleistungspolymeren konkurrieren beide um anspruchsvolle Leichtbau- und Spezialanwendungen, bspw. im Automotive-Segment.

Im Polyurethangeschäft sind die Rollen unterschiedlich und BASF und Evonik sind eher Lieferpartner derselben Wertschöpfungskette als direkte Konkurrenten. Auch im PVC-Markt überwiegt die Ergänzung gegenüber dem Wettbewerb. Darüber hinaus

Bei vielen Anwendungen ergänzen sich beide Unternehmen: BASF liefert häufig die Polymerbasis oder Vorprodukte, während Evonik Additive, Spezialpolymere oder Werkstoffe mit funktionelle Eigenschaften liefert. Deshalb begegnen sich BASF und Evonik in der Kunststoffindustrie oft gleichzeitig als Wettbewerber und Zulieferpartner. Besonders im Automobil-, Wasserstoff-, Medizintechnik- und 3D-Druck-Markt sind die Berührungspunkte am größten. Auch beim Kunststoffrecycling sind beide Konzerne aktiv und sehen in der Kreislaufwirtschaft ein Wachstumsfeld.

Außer bei Kunststoffen liegen die wichtigsten Überschneidungen von BASF und Evonik vor allem in der Spezialchemie. Die stärksten direkten Wettbewerbsfelder außerhalb von Kunststoffen sind Coatings und Lackadditive, Kosmetik- und Personal-Care-Inhaltsstoffe und Pharmahilfsstoffe und Healthcare. Beide Unternehmen sind wichtige Lieferanten der Personal-Care-Industrie. Hier treten beide häufig unmittelbar gegeneinander an. Im Coatings-Bereich beliefern beide Anbieter häufig dieselben Lack- und Farbenhersteller, allerdings mit unterschiedlichen Produkten innerhalb derselben Formulierung. Bei Pharma besteht in einzelnen Excipients-Segmenten direkter Wettbewerb, während Evonik bei Drug Delivery deutlich stärker positioniert ist. Im Markt für Tierernährung, einem eher unterschätzten Wettbewerbsfeld, zählen beide Unternehmen zu den bedeutenden Anbietern, allerdings mit unterschiedlichen Produktschwerpunkten.

Strategisch betrachtet konkurrieren BASF und Evonik heute vor allem dort, wo BASF in Richtung Spezialchemie wächst. Das dürfte ein wesentliches Kriterium für die Übernahmeabsichten der Ludwigshafener sein.

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