35-MW-Elektrodenkessel der InfraLeuna offiziell in Betrieb
Mit der heutigen offiziellen Inbetriebnahme des 35-Megawatt-Elektrodenkessels erreicht das europaweit einzigartige Power-to-Heat-Projekt (PtH) am Chemiestandort Leuna seinen erfolgreichen Abschluss.
Gemeinsam mit dem Übertragungsnetzbetreiber 50Hertz Transmission weihte die InfraLeuna die Anlage im Beisein von Jürgen Ude, Staatssekretär für Strukturwandel und industrielle Großprojekte in der Staatskanzlei des Landes Sachsen-Anhalt, der den kurzfristig verhinderten Wirtschaftsminister Sven Schulze vertrat, sowie Vertretern der regionalen Politik und der beteiligten Partnerunternehmen feierlich ein.
Hinsichtlich Dimension, Dynamik und Druckniveau setzt der Elektrodenkessel der InfraLeuna neue Maßstäbe für Anlagen dieser Art in Europa. Mit einer Leistung von 35 MW wandelt er elektrische Energie in Prozessdampf um, bevorzugt dann, wenn hohe Anteile erneuerbarer Energien im Stromnetz verfügbar sind. Dabei erreicht die Anlage für Elektrodenkessel bislang einmalige Dampfparameter von 47 bar(ü) und 320 °C.
Ein Vorteil der Technologie liegt in der CO₂-Reduktion. Da am Chemiestandort Leuna große Mengen Wärmeenergie benötigt werden, können durch den Einsatz des Elektrodenkessels gegenüber einer konventionellen gasbasierten Dampferzeugung erhebliche Mengen CO₂ eingespart werden. Unter den zugrunde gelegten Betriebsannahmen beträgt das Einsparpotenzial bis zu 52.000 t CO₂ pro Jahr. Der Elektrodenkessel wird damit zu einem wichtigen Baustein einer effizienten und klimaschonenden Energieversorgung der ansässigen Unternehmen.
Die Kraftwerke der InfraLeuna können immer dann zurückgefahren werden, wenn der Kessel Strom aufnimmt und in Wärmeenergie umwandelt. So kann der Einsatz von Erdgas reduziert werden.
Jürgen Ude, Staatssekretär für Strukturwandel und industrielle Großprojekte in der Staatskanzlei des Landes Sachsen-Anhalt, erklärt: „Als Land Sachsen-Anhalt können wir stolz darauf sein, dass heute hier in Leuna europaweit der erste Elektrodenkessel auf diesem Druckniveau in Betrieb genommen wird. Das ist ein starkes Zeichen für unseren Wirtschaftsstandort Sachsen-Anhalt.
Leuna steht wie kaum ein anderer Ort für die industrielle Stärke unseres Landes. Hier zeigt sich heute einmal mehr: Unser Sachsen-Anhalt ist ein Land, in dem Zukunft gemacht wird.
Mit dieser europaweit einzigartigen Anlage verbinden wir industrielle Entwicklung mit Klimaschutz. Wir nutzen die Chancen erneuerbarer Energien, reduzieren CO₂-Emissionen und schaffen gleichzeitig die Voraussetzungen für eine verlässliche und wettbewerbsfähige Wärmeversorgung.
Denn für mich ist klar: Gute Klimapolitik muss mit guter Wirtschaftspolitik verbunden sein. Sie muss dafür sorgen, dass Unternehmen bei uns investieren, dass Arbeitsplätze in unserer Heimat bleiben und dass unsere Industrie auch morgen international wettbewerbsfähig ist. Dafür setzen wir uns als Land weiter nach allen Kräften ein.“
Das Projekt blickt auf eine intensive Umsetzungsphase in Zusammenarbeit mit dem beauftragten Generalunternehmer ETABO Energietechnik und Anlagenservice zurück: Vom Projektstart im Oktober 2024 über den spektakulären Einhub des Kessels Ende 2025 als Montage-Meilenstein bis zur heute erfolgten Inbetriebnahme wurde die Anlage planmäßig realisiert. „Es war eine der unkompliziertesten Inbetriebsetzungen, die ich bisher begleiten durfte“, betont Jan Friedemann, Projektleiter bei InfraLeuna.
Der Elektrodenkessel ist vollständig in die bestehende Energieinfrastruktur integriert und versorgt die Unternehmen am Chemiestandort mit bis zu 45 t Dampf pro Stunde. Dabei kann die Anlage ihre Leistung sehr flexibel an den Energiebedarf anpassen. Technisch sind Änderungen von bis zu 11 MW pro Minute möglich, im Betrieb wird die Leistung jedoch auf maximal 7 MW pro Minute angepasst, damit die angeschlossenen Dampfnetze die Änderungen problemlos ausgleichen können.
InfraLeuna und der Netzbetreiber 50Hertz Transmission realisieren damit gemeinsam die erste großtechnische Power-to-Heat-Anlage auf diesem Druckniveau an einem Chemiepark in Europa.
Stefan Kapferer, Vorsitzender der Geschäftsführung von 50Hertz: „Power-to-Heat-Anlagen nach dem Prinzip ‚Nutzen statt Abregeln‘ können zweierlei bewirken: Werden die Anlagen im sogenannten Engpassmanagementprozess unserer Systemführung eingesetzt, können sie zur Entschärfung von Engpässen im Stromnetz beitragen. Gleichzeitig verbessern die Anlagen die Integration der regionalen, erneuerbaren Energieerzeugung. Durch zusätzlichen Stromverbrauch in der Power-to-Heat-Anlage und gleichzeitig geringere Strom- und Wärmeproduktion im Kraftwerk wird das Stromnetz faktisch doppelt entlastet. Der mitteldeutsche Raum bietet für den industriellen Einsatzzweck dieses Anlagenkonzeptes gute Voraussetzungen, da es hier ein hohes Aufkommen an Windstrom und inzwischen auch große Freiflächensolaranlagen gibt.
Grundsätzlich ist und bleibt allerdings der Ausbau der Stromübertragungsnetze die wichtigste Maßnahme, um auch in Zukunft Netzengpässe zu beherrschen. Ergänzend können darüber hinaus weitere Instrumente effiziente Beiträge leisten, wie beispielsweise hier am Standort in Form einer PtH-Anlage in der Industrie.“
InfraLeuna-Geschäftsführer Christof Günther betont die strategische Bedeutung des Projekts: „Das hinsichtlich Effizienz und Flexibilität vorbildliche Energiesystem am Chemiestandort Leuna erreicht mit der Inbetriebnahme unseres 35-MW-Elektrodenkessels ein neues, bisher unerreichbares Niveau an Flexibilität. Gerade in der aktuellen Situation der chemischen Industrie hilft uns dieses Power-to-Heat-Projekt, Erdgas einzusparen, überschüssigen Strom sinnvoll zu nutzen und die Dampfversorgung am Standort zuverlässig zu sichern.
Wir unternehmen gerade unter den aktuell sehr schwierigen Rahmenbedingungen alle Anstrengungen, um die Energieinfrastruktur in Leuna konsequent weiterzuentwickeln und den Unternehmen verlässliche und zukunftsfähige Lösungen bereitzustellen.“
Das Projekt unterstreicht die Spitzenposition des Chemiestandorts Leuna bei fortschrittlichen Energiekonzepten. Dank leistungsfähiger Infrastruktur, technologischer Expertise und starker Partnerschaften bietet der Standort gute Voraussetzungen, um innovative Energielösungen umzusetzen und Arbeitsplätze zu sichern.
Mit den neuen Power-to-Heat-Kapazitäten wird die Verknüpfung von Strom- und Wärmeversorgung weiter ausgebaut und die Widerstandsfähigkeit der Unternehmen gegenüber schwankenden Energiemärkten gestärkt.












