10.06.2026 • News

Schafft die Chemieindustrie im Rheinland die Wende?

Das ChemCologne Chemieforum diskutiert Lösungswege zwischen regionalem CO₂-Transport und dem Wettbewerbsdruck aus China.

Unter dem zentralen Leitmotiv „Standort sichern. Wandel gestalten. Zukunft machen.“ kamen am gestrigen Dienstag rund 300 hochrangige Vertreterinnen und Vertreter aus Industrie, Politik und Verbänden zum 15. ChemCologne Chemieforum im Feierabendhaus des Chemieparks Knapsack in Hürth zusammen, um über die drängenden geopolitischen, regulatorischen und ökonomischen Herausforderungen der chemischen Industrie im Rheinland zu debattieren.

Zum Auftakt der Veranstaltung verdeutlichte Christoph Kappenhagen, Vorstandsvorsitzender von ChemCologne und Geschäftsleiter der Yncoris, die Dringlichkeit konkreter politischer Rahmenbedingungen für die regionale Industrie. „Unsere chemische Industrie im Rheinland steht vor riesengroßen Herausforderungen. Steigende Kosten und regulatorische Lasten treffen auf eine Region, deren Herzschlag die industrielle Wertschöpfung und funktionierende Verbundstrukturen sind. Wir brauchen jetzt den entschlossenen Abbau von Bürokratie und international wettbewerbsfähige Energiepreise, um diesen starken industriellen Kern nachhaltig zu sichern und Europa im globalen Wettstreit handlungsfähig zu halten“, betonte Christoph Kappenhagen in seiner Auftaktrede.

Die Perspektive der Landespolitik brachte Nathanael Liminski, Minister für Bundes- und Europaangelegenheiten, Internationales sowie Medien des Landes Nordrhein-Westfalen und Chef der Staatskanzlei, in die Diskussion ein. Er sicherte der Branche die aktive Unterstützung der Landesregierung zu. Er erklärte in seinem Statement: „Unsere industriellen Schlüsselbranchen sind das Fundament für Wohlstand, gute Arbeit und soziale Sicherheit in Nordrhein-Westfalen. Die Landesregierung wird ein verlässlicher Partner der Industrie auf dem Weg zur Klimaneutralität sein. Mit diesem Ziel erheben wir auch in Richtung Berlin und Brüssel unsere Stimme für verlässliche Rahmenbedingungen, leistungsfähige Infrastrukturen und wettbewerbsfähige Standortbedingungen. Das Rheinland soll auch in Zukunft für die Chemie eine starke Heimat sein.“

„Unsere Industrie wird gebraucht für unsere Resilienz und strategische Autonomie in einer zunehmend unsicheren Welt“, begann Markus Steilemann, CEO von Covestro und Präsident des Verbandes der Chemischen Industrie (VCI) im Anschluss seinen Vortrag. Anhand einiger Beispiele zeigte er, dass die rheinische Chemie „für Transformation und Wachstum geradezu prädestiniert ist: dank bestens ausgebildeter Beschäftigter, moderner Betriebe und Anlagen sowie einer Vernetzung, die es woanders auf der Welt so kaum gibt.“ Er bemängelte Richtung Politik, dass wirksame Maßnahmen noch fehlen, die unmittelbar an den Werkstoren ankommen. „Dass künftig bei Berichtspflichten die Umkehr der Beweislast gelten soll, dass die Förderverfahren vereinfacht werden – das sind alles sinnvolle Maßnahmen, die den Unternehmen Erleichterung bringen“, befand er zum Abschluss seiner Rede.

Der rheinische Chemieverbund im Wandel

Im anschließenden Themenblock ging es um die Transformation der regionalen Strukturen. Tim Hartmann, CEO von Currenta, zeigte auf, dass Verbund und Innovation die entscheidenden Antworten auf die aktuellen Wettbewerbsfragen in NRW sind. Klaus Altfeld, Bereichsleiter Unternehmensentwicklung bei OGE, skizzierte die fundamentale Bedeutung neuer Leitungsnetze am Beispiel einer leistungsfähigen CO₂-Transportinfrastruktur für ein integriertes Carbon Management. Melanie Hackler, CEO von matterr, legte in ihrem Beitrag zur Circular Economy dar, dass Zögern im internationalen Vergleich keine Option mehr ist. Anschließend vertieften die drei Referenten die Kernpunkte in einer lebhaften Diskussionsrunde.

Geopolitische Weichenstellungen und weltweite Megatrends

Nach einer Netzwerkpause richtete das Forum den Blick auf die globalen Spannungsfelder. Marc Horn, Vorstand der Association of International Chemical Manufacturers in China, gab tiefere Einblicke in Chinas Innovationsökosysteme und den technologischen Wandel der dortigen Chemieindustrie. André Wolf vom Centrum für Europäische Politik (cep) stellte die aktuellen Pläne aus Brüssel zur langfristigen Sicherung des Chemiestandorts Europa vor. Den Abschluss der Vortragsreihe gestalteten Ralph Kästel und Christian Eilinghoff von PwC. Sie brachten die unmittelbaren Auswirkungen globaler Megatrends auf den deutschen Chemiesektor auf den Punkt.

Friedrich Überacker, Natalie Mühlenfeld, Marion Hörsken, Christoph...
Friedrich Überacker, Natalie Mühlenfeld, Marion Hörsken, Christoph Kappenhagen, Nathanael Liminski, Markus Steilemann, Lars Friedrich
© ChemCologne

Anbieter

ChemCologne

Neumarkt 35-37
50667 Köln
Deutschland

Kontakt zum Anbieter







Innovation Pitch

Die Start-up-Plattform für Chemie und Biowissenschaften
Entdecken Sie die Innovatoren von morgen

Die Start-up-Plattform für Chemie und Biowissenschaften

CHEManager Innovation Pitch unterstützt Innovationen in der Start-up-Szene der Chemie- und Biowissenschaften. Die Plattform ermöglicht es Gründern, Jungunternehmern und Start-ups, ihre Unternehmen der Branche vorzustellen.

CO₂-Messung

Verluste, die keiner sieht

Verluste, die keiner sieht

In CCUS-Projekten der chemischen Industrie wird die präzise CO₂-Messung zur Schlüsseltechnologie - Coriolis-Systeme spielen dabei eine zentrale Rolle.

Meist gelesen