Modulare Anlagen basierend auf MTP werden zu einem Kernbaustein für Pharma 4.0 und Industrie 4.0.
Autor: Volker Oestreich, CHEManager
Die Prozessindustrie spricht seit Jahren über Flexibilität, kürzere Time-to-Market-Zyklen und modulare Produktion – doch die Realität in vielen Anlagen sieht anders aus: starre Automatisierungsarchitekturen, proprietäre Schnittstellen und Integrationsprojekte, die länger dauern als der eigentliche Produktlebenszyklus. Genau hier setzt MTP, das Module Type Package, an und bricht mit alten Denkmustern: Es zwingt Automatisierungshersteller, ihre Systeme zu öffnen, und ermöglicht Anlagenbetreibern erstmals echte Plug-and-Produce-Automation. Damit ist MTP kein Automatisierungsdetail, sondern ein strategischer Business Enabler.
Modulare Anlagen auf Basis des MTP-Standards bringen viele Vorteile mit sich:
- der Engineering-Aufwand wird reduziert
- die Flexibilität wird durch die Gestaltung leicht anpassbarer und qualifizierbarer modularer Produktionsplattformen erhöht
- Markteinführungszeiten werden verkürzt durch den Einsatz von Standardmodulen (Off-the-Shelf-Module)
- Validierung computergestützter Systeme (CSV) und Anlagenqualifizierung (EQ) gestalten sich deutlich einfacher.
Die Verbesserungen liegen – dabei sind sich fast alle Experten einig – im mittleren zweistelligen Prozentbereich. Wer die Potenziale von MTP ignoriert, verschenkt also messbaren ROI. Tobias Schlichtmann, Senior Vice President Strategic Projects bei der BASF und Vorstandsvorsitzender der NAMUR, beschreibt den Nutzen und den aktuellen Stand zusammenfassend: „MTP 2.0 ist für die Prozessindustrie ein wichtiger Hebel, um Modularisierung technisch robust und wirtschaftlich wirksam umzusetzen. MTP 2.0 reduziert den Integrations- und Engineering-Aufwand erheblich – in typischen Anwendungsfällen um bis zu 70 % – und schafft zugleich deutlich mehr Flexibilität in der Produktion, bei Produktwechseln und bei der Integration von Package Units. Aus Sicht der NAMUR ist besonders wertvoll, dass Anwender, Hersteller und Hochschulen diesen Standard gemeinsam praxisnah entwickelt haben. Das schafft Stabilität, Interoperabilität und einen belastbaren Rahmen für industrielle Anwendungen. Darüber hinaus macht MTP 2.0 den Einsatz von KI im Engineering deutlich einfacher, effektiver und skalierbarer. Jetzt müssen wir vom Standard in die breite Anwendung kommen: Hersteller beginnen mit der Implementierung, das Momentum wächst, und NAMUR unterstützt Anwender mit Trainings und Expertenaustausch dabei, MTP 2.0 sicher in Projekten zu spezifizieren und so Wettbewerbsfähigkeit konkret zu stärken.“
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