10.02.2026 • News

Lackindustrie in Österreich beklagt Bürokratie

Die Lage der österreichischen Lack- und Anstrichmittelindustrie bleibt angespannt. Trotz einzelner Hinweise auf eine Stabilisierung sieht sich die Branche weiterhin einem herausfordernden wirtschaftlichen Umfeld gegenüber.

„Auf der einen Seite kämpfen wir mit starkem Wettbewerbsdruck aufgrund der hohen Energie- und Lohnstückkosten“, erläutert Hubert Culik, Obmann der österreichischen Lack- und Anstrichmittelindustrie, die aktuelle Lage. „Andererseits befinden sich mehrere Abnehmerindustrien nach wie vor in schwieriger Position.“ Die Industrie investiert zurückhaltend, viele Unternehmen verschieben Anschaffungen oder reduzieren ihre Produktion, was die Nachfrage nach Industrielacken und Holz- bzw. Möbellacken weiter dämpft. Darüber hinaus spürt die Branche negative Auswirkungen der aktuellen US-Handelspolitik, wenn nachgelagerte Sektoren aufgrund der Zölle nicht mehr in die USA liefern.

Chemikalienpolitik: Wenn Regulierung Innovation ausbremst

Die 26 Betriebe der österreichischen Lack- und Anstrichmittelindustrie beschäftigen etwa 2.700 Mitarbeitende. Sie produzieren jährlich 133.000 t Lack- und Anstrichmittel im Wert von 503 Mio. EUR. Neben der konjunkturellen Unsicherheit stemmt die Branche eine stetig steigende regulatorische Belastung. In einer aktuellen FCIO-Umfrage nennen 65 % der Betriebe die zunehmende Regulierung und Dokumentationspflichten als massives Wettbewerbshemmnis. Lackunternehmen berichten, dass Investitionen mittlerweile oft nur noch getätigt werden, um neue gesetzliche Vorgaben zu erfüllen – nicht, um Innovationen voranzutreiben.

Diese Entwicklung trifft eine Branche, die traditionell stark auf Forschung und Entwicklung setzt: Rund 10–15 % ihres Umsatzes investiert die Lackindustrie in neue Produkte und Technologien. Doch der regulatorische Aufwand wächst schneller, als die Innovationskraft Schritt halten kann. Der Obmann warnt: „Jede Innovation muss sich durch ein enges Korsett neuer Vorgaben arbeiten. Das verlangsamt Innovationszyklen und schwächt die internationale Wettbewerbsfähigkeit.“

Etikettenpraxis: Wenig Platz, viele Regeln – und ständig neue Anforderungen

Auch im Bereich der Kennzeichnung verschärft sich der Druck. Immer mehr gesetzliche Vorgaben, steigende Anforderungen an Mehrsprachigkeit und komplexere Sicherheitsinformationen lassen Etiketten zu einem hochregulierten Kommunikationsmedium werden. Unternehmen berichten, dass der verfügbare Platz auf Verpackungen kaum mehr ausreiche, um alle gesetzlichen Informationen korrekt und aktuell darzustellen – insbesondere da laufende Aktualisierungen und die Integration vielfältiger Datenquellen notwendig sind.

Die Kombination aus technischen Etikettenrestriktionen, ständigen Rechtsänderungen, fehlenden Übergangsfristen und dem Bedarf an international einheitlicher Darstellung führt zu einer erheblichen operativen Belastung in Produktion und Qualitätssicherung. Auch hier zeigt sich: Der administrative Aufwand wächst schneller als Prozesse effizient angepasst werden können.

Appell der Branche

Die österreichische Lackindustrie fordert daher dringend politische Maßnahmen, um die Wettbewerbsfähigkeit zu stärken – insbesondere durch:

  • eine Senkung der Energie- und Arbeitskostenbelastungen, die laut FCIO-Umfrage für 72 bzw. 84% der Chemieunternehmen zentrale Herausforderungen darstellen,
  • mehr Planbarkeit und eine Entschlackung der regulatorischen Rahmenbedingungen.

„Nur mit verlässlichen Rahmenbedingungen kann die österreichische Lackindustrie ihren Beitrag zur industriellen Wertschöpfung in Österreich sichern und wieder stärker in Wachstum und Innovation investieren“, so Culik abschließend.

Lackindustrie in Österreich beklagt Bürokratie
© FCIO

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